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Zorn des Meenor - Kampagnentagebuch
#2
So ich konnte es nicht lassen den Text als einen Eintag in Kriemhild Sauerbiers Tagebuch zu verfassen . Ich werde der Übersichtlichkeit halber die wichtigsten Fakten und Zahlen auch noch mal in Stichpunkten niederlegen.
Doch zunächst Frau Sauerbier:

Liebes Tagebuch,


womit hat eine so patente Frau wie ich derlei nichtsnutzige Brüder verdient. Heinz stolziert in der Brauerei herum, als ob er schon der Besitzer wäre. 
Mögen dem Alten noch ein paar Jahre gegönnt sein. Und ohne den alten Kellermeister würde Heinis Bier eh nur wie abgestandene Schafspisse schmecken. 
Aber anstatt sich auf den Hosenboden zu setzen, macht er sich noch über mich lustig. 
„Ne alte Jungfer wie du macht das Bier bitter.“ 
Ich hatte nicht übel Lust, ihm in seine Manneserbsen zu treten, aber wie Großmutter mich lehrte, hab ich fuchsteufelswild im Stillen bis 20 gezählt 
und bin dann los. Ich war ganz froh das heimatliche Nest Richtung Birnbaum zu verlassen. Pferde sind einfach die besseren Menschen.
Ich hatte mich eigentlich auf einen langweiligen Tag mit vielen Trinkpäuschen gefreut, doch alles sollte ganz anders kommen. 
Au weia !

Also, gerade als ich beim alten Dante nachsehen wollte, ob sich der das Eisen vorne rechts gelockert hat, hörte ich ein seltsames Tuten. 
Die meisten von den anderen haben zuerst Nüschte gehört, aber als das Getöse immer lauter wurde, war klar, dass das vom Hafen her kommt. 

Holger und der Gerti sind auch gleich los gerannt. Also der Gerti vorne weg. So neugierig wie eine Katze, aber der Gerti issn guter Junge. 
Ewald und ich sollten schon mal die Fuhrwerke startklar machen. Wie der Holger das wieder vorausahnte - schon ein Fuchs. 
Ewald kam mit dem Doppelspanner wieder gar nicht zurecht. Hat sich den Daumen geklemmt, aber ich hab so getan, als ob ich das nicht gemerkt hätte. 
Ruck zuck und holterdiepolter gings zum Pier. Frieda ist für ihr Alter immer noch mächtig schnell. 
Und so waren es nur wenige Augenblicke bis zum Hafen. 
Da stand schon halb Erbsburg und glotzte auf den Horizont und hielt maulaffenfeil. Erst nachdem ich die Augen zusammengekniffen hatte, 
konnte ich am Horizont deutlich ein kleines Handelsschiff erkennen. Unter vollen Segeln kam es auf uns zu und bald konnte ich verblüfft erkennen, 
dass das Schiff wohl schon bessere Tage gesehen hatte. Es lag viel zu tief im Wasser und Schlagseite hatte das arme Ding auch ziemlich. 
Die Seeleute, anscheinend Rosinen rannten an Deck durcheinander. Einige von den Kerlen versuchten die Ziegen, 
die überall an Deck herumsprangen, zu bändigen. 
Doch dies gelang gar nicht gut – ein Matrose ist kein Bauer.
Einer der Seeleute jedoch tutete unablässig in ein Horn. Das Schiff wurde, als es näher kam, jedoch nicht langsamer und jetzt bekam ich es schon ein wenig mit der Angst zu tun. 
Gerd stand ganz vorn an der Kaimauer und ich sah das Schiff mit geblähten Segeln immer näher kommen. 
Plötzlich gab es einen gewaltigen Knall und ein hässliches Geräusch als das Froschfresserschiff den alten Steg in Einzelteile zerlegte. 
Die Luft war voller Ziegen, Holzsplitter und selbst jetzt war der aufgeregte Warnton des unablässig ins Horn stoßenden Steuermanns deutlich zu vernehmen. 
Bei Meenor was für ein drunter und drüber. 
Ein alter Matrose segelte durch die Luft und landete, um sich strampelnd im Hafenbecken, genauso wie die meisten der Ziegen. 
Als sich der Staub nun etwas lichtete, konnte man die Seefahrer deutlich ausländisch schreien und lamentieren hören „Dübuah!“ erklang es aus vielen Kehlen. 
Der Steuermann ließ weiter das Horn erschallen, seine Augen wirkten seltsam teilnahmslos, als ob er zu schreckliche Dinge gesehen hatte. 

Der alte Matrose im Wasser war anscheinend nicht nur am Ende der Duldsamkeit von Körper und Geist angelangt, 
sondern war auch nicht des Schwimmens mächtig. 
Mit einem Auge sah ich wie Gerd zum Schiff rannte. 
Holger hatte ein Ruderboot bereitgemacht.
Der Herr Ansbach kennt sich mit Kutschen zum Glück viel besser aus als mit Ruderbooten – also das merkte ich jetzt. 
Ich beschloss, dass ich den alten Mann nicht ertrinken lassen wollte. 
Also zog ich meine Sachen aus, behielt nur Börse und das Goldwasser - dreimal destilliert. 
Ich hoffte inständig, dass sich in den nächsten Tagen der Pöbel nicht über die alte Kriemhild das Maul zerreißen würde. 
Ich sah die Panik in den Augen des alten Mannes, der zu ertrinken drohte, schickte ein Stoßgebiet an den Herrscher der nassen Gestade 
und sprang in das dunkle aufgewühlte Wasser. Erst kam ich gut voran, doch mir gelang es nicht den alten Mann zu packen. 
Ewald versuchte derweil ein Seil in unsere Richtung ins Hafenbecken zu werfen, während sich Herr Ansbach nur langsam mit dem Ruderboot Richtung ertrinkendem Mann vorkämpfte. 
Gerd hatte inzwischen auf dem Boot Freundschaft mit den Ausländern geschlossen und wie es so vielleicht Brauch ist bei den Froschfressern, 
banden sie ihm unter lauten „Dübuah!“-Rufen ein Seil um die Hüfte. 
Wahrscheinlich waren sie nicht mehr ganz richtig im Kopf. 
Mit dem Mut der Jugend schickte sich Gerd an, durch die Ladeluke in den Bauch des sinkenden Schiffes zu gelangen.
Ewald folgte Gerd auf das Schiff voller Sorge um den jungen Mann. Nun versank der alte Seemann nur eine Armeslänge von mir in den Fluten 
– doch ich schwor mir das seine Zeit heute noch gekommen seien sollte und tauchte in die Dunkelheit, um ihn doch noch zu erreichen, 
bevor das Hafenbecken gewiss zu seinem feuchten Grab würde. 
Obwohl ich selbst kaum mehr zu hoffen wagte, bekam ich plötzlich ein Stück durchweichten Wams zu packen. 
Ich muss sagen, Holger hatte die Ruhe weg und hatte erstmal seine Stiefel ausgezogen und so war es an mir, den alten Mann wieder hoch ans Sonnenlicht zu bringen. 
Holger hatte dann zum Glück den Strick aus dem Boot ins Wasser geworfen und mit vereinten Kräften konnten wir uns auf die schwankende kleine Ruderschaluppe hochziehen. 
Währenddessen leisteten Ewald und Gerd im Lagerraum des havarierten Handelsseglers ganze Arbeit. Die Beiden löschten die Ladung wie zwei gedungene Seebären. 
Neben schweren Marmorplatten und den Ziegen hatte das Schiff einen edlen Tropfen Wein geladen, der wohl Dübuah hieß. 
Dieses Ausländische klingt wirklich fremd und irgendwie ungewaschen und warum sollte man so einen guten Wein mit einem so scheußlichen Namen belegen. 
Leuten, die so etwas machen, ist nicht zu trauen. 
Es gab nicht nur die Kisten mit edelstem Etikett, sondern auch ein großes Weinfass und die Rasianer machten sich daran, es mit der noch intakten Seilwinde 
und mit Gerds Knoten bewehrter Hilfe aus dem Laderaum nach oben zu hieven. 
Alles immer noch begleitet durch Geschrei, Tröterei und Ziegenmeckern. 
Als Holger und ich den fast Ertrunkenen auf den Pier legten, griff dieser nach meiner Hand. 
Ich nahm meine Muschelkette und drückte sie in seine Hand. 
Und nachdem er erkannt hatte, dass wir beide dem gleichen Gott als unseren Hirten auserkoren hatten. strömte Leben und Freude zurück in seine müden und angsterfüllten Augen. 
Uns gelang es auch, eines der armen und panischen Ziegengeschöpfe an Land zu ziehen. 
Gerade als ich zum ersten Mal seit dem Beginn dieses Durcheinanders zu Luft kam, begann das Schiff sich immer mehr zur Seite zu neigen 
und der Mast senkte sich mit zunehmender Geschwindigkeit gen dem Bretterhaufen, der nur einige Minuten zuvor noch ein ordentlicher Erbsburger Steg gewesen war. 
Es krachte nun erneut laut und man hörte deutlich wie die in Bewegung geratenen Marmorplatten 
im Laderaum krachend die Wandung des Rumpfes durchbrachen. Bei Meenor ich konnte weder Gerd noch Ewald sehen. 
Stattdessen hörte ich hinter mir Platz da! Platz für die Stadtwache! Was geht hier …. ?“
Doch nun sollte des Gerd große Stunde kommen, denn das Maß seiner Heldentaten war noch nicht voll. Viele der Seeleute waren gesprungen oder ins Wasser geschleudert worden 
und sie schienen nun endgültig mit ihren Kräften am Ende. Doch Gerd sprang in die Fluten. Wo hatte der Junge nur so schwimmen gelernt? 
Einem Delphin gleich schnitt er mit schnellen Schwimmzügen durch Wogen und Gischt. Nicht nur, dass er allein 4 der Froschquäler aus dem Wasser zog – er war auch zur Stelle, 
um dem Unglücksraben Ewald unter dem Segel hervorzuziehen.
Das Schiff trat nun schnell seine letzte Reise an und riss eine der unglückseligen Ziegen hinab in die Tiefen. 
Doch wie ein Wunder, und nichts anderes kann es gewesen sein, kam weder einer der Seeleute noch einer von Birnbaums Leuten ums Leben. 
Die armen Froschlecker wurden dann gleich von den Stadtbütteln eingeknastet. 
Doch nachdem er seine Stiefel wieder an sich dran hatte, trat nun der Herr Ansbach in Aktion. 
Der hatte sich einen der Umstehenden geschnappt, der Ausländisch sprach und wollte gleich über Geschäfte mit den rasianischen Kappalken palavern 
- der lässt wirklich nichts anbrennen. 
Aber der Kapitän der Wache musste erst überzeugt werden, 
das wir überhaupt mit den Hafen-Vandalisten reden durften, denn die Rasianer waren nach der angerichteten Zerstörung des Anlegers Erbsburg einen Haufen Kreuzer schuldig. 
Birnbaum ließ sich jetzt auch mal am Hafen blicken, wirkte aber überfordert und außerdem hatte sein schlimmster Konkurrent auch schon ein Transport-beflissenes Auge 
auf den mittlerweile durch die Obrigkeit konfiszierten Wein gelegt. 
Doch nachdem offenbar wurde,das ein gewaltiges Seeungeheuer das Schiff der Rasianer so zugerichtet hatte, 
wurde des feisten Händlers Idee die Waren per Schiff nach Maiburg zu bringen, augenblicklich unattraktiver. 
Und bald wurde klar, in vier Tagen muss dieser Wein in Maiburg beim „Weiner“ sein. 
Es ist eine Bestellung von höchster Stelle - man sagte der Marktgraf selber hätte den edlen Tropfen für sein Vergnügen geordert. Durch Dafürhalten von Holger 
und unter Zustimmung des Hauptmanns der Wache wurden wir, die Birnbäumler beauftragt, das Warentermingeschäft im unserem und in Erbsburgs Sinne abzuwickeln, 
was einen viertägigen Ritt des Wahnsinns bedeutete. 
Heute haben wir und besonders Gerd den Tag gerettet und die Froschlecker schienen wahrhaftig dankbar zu ein, obschon ich denen nur soweit traue, wie ich sie werfen kann. 
Also auf nach Maiburg! Dübuah! Dübuah!


Danke liebes Tagebuch, deine Kriemhild
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RE: Zorn des Meenor - Kampagnentagebuch - von Der_lustige_Lurch - 04.06.2021, 17:15

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